Parkplatzablöse: Darf’s ein bischen mehr sein?

Im Rheda-Wiedenbrücker Lokalteil der Glocke wurde über die „heisse“ Diskussion wegen der Erhöhung der Stellplatzablöse-Summe für Investoren im Innenstadt-Bereich berichtet. Ein Grund für das jüngste Bauantrags-Thema könnte zum Beispiel die Ablehnung des Investors des Ärzte Hauses auf dem alten Brennerei Pott-Hartwig Gelände, eine Tiefgarage im Gebäude zu errichten… weil sich das nicht „rechnet“, gewesen sein. Die in der Planung befindlichen ebenerdigen Parkplätze reichen für die erwartete Besucherzahl und die geplantenWohnungen jedoch nicht aus.

Den Artikel zur Ausschuss-Sitzung kann man hier herunterladen:

Hier ein Kommentar von Günter Arlt zu dem Zeitungsartikel:
„Sobald der Gulden im Becken klingt, im Hui die Seele in den Himmel springt“
. Dieser Werbespruch des Sünden-Ablasshändlers Tetzel führte im 15. Jahrhundert zu Luther’s Widerspruch, der Gründung der Evangelischen Kirche und dem 30-jährigen Krieg! So dramatisch wollen wir die Situation bei der Parkplatzablöse in unserer schönen Stadt nicht zeichnen. Aber man kann mit Fug und Recht behaupten, wenn es sich für einen Investor nicht “rechnet”, in seinem neuen Gebäude Parkraum für die zukünftigen Mieter zu schaffen, wie kann die Stadt dies Problem mit der überschaubaren Summe von 7500 Euro lösen? Rechnet sich das für den Steuerzahler? Und – wie berechnet der Investor – Kosten – Gewinn – neudeutsch “Return of Investment”? Liegt dem Bauantrag eine offene Kalkulation mit Präzisierung der Gewinnmarge bei? Oder woher sonst weiß man im Rat und Rathaus wann sich das Projekt eines Investors “rechnet”?

Verluste der Allgemeinheit aufbürden – Profite privatisieren. Seit Jahrzehnten weinen Lobbyisten den Regierenden die Ohren voll. VW beantragt Covid Unterstützung und schüttet Unsummen an die Vorstände und Aktionäre aus. Parkplatzablöse für Ladenlokale, die wieder einen neuen Einkaufsmagnet in der Innenstadt schaffen, statt noch eine Shisha Bar oder Dampftanke! OK – sehr gerne!

1984 wurde in der Innenstadt von Wiedenbrück das WEG Marktzentrum gebaut. Mit Stellplätzen in der Tiefgarage zu 15 000 DM/Platz. Waren so zwischen 8 und 12 % der Kaufsumme. Das haben die Käufer der Eigentumswohnungen akzeptiert und bezahlt. Damals kostete der Kredit 8 %… und heute, bei 1.5 oder 2 % rechnet sich eine Tiefgarage unter dem neuen Pott-Ärztehaus nicht mehr? Zu den Ärmsten werden die Mieter dieses Filets Stücks im Zentrum von Rheda mit Sicherheit nicht gehören.

Fazit – Parkplatzablöse für kleine Läden in der Innenstadt – und wenn das erhaltene Geld in die vorhandenen Parkoptionen, zB in zwei weitere Ebenen auf den drei Parkhäusern im Zentrum von Rheda investiert wird – gute Idee! Aber Ablasshandel für Investoren – die keine Kompromisse bei ihren Gewinnmargen machen wollen – nein danke!

Wenn unsere Wirtschaftsförderer und Planer im Rathaus, oder die Entscheider im Bau-Ausschuss, mehr zu Parkraum Management erfahren wollen, ist das Lesen der hierunter aufgeführten Studie der Stadt Wittlich,
20 000 Einwohner, nahe von Trier, mit Sicherheit sehr hilfreich!

Wohl bekomms!

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